Ein Jahr in Down Under

Work to Travel

Vesper

Weil es mit dem Arbeiten doch nicht so wirklich klappen wollte, entschieden wir uns, nach einem Anfruf von Ina, kurzfristig unsere Zelte in Tintnara abzubrechen und nach Vesper zu gehen. Vesper liegt in Victoria ca. 2 Autostunden östlich von Melbourne. Es ist nicht wirklich ein Dorf, vielmehr ist es eine Ansammlung von Häusern und Farmen. Alles sehr einsam, aber auch sehr idyllisch. Mathis erinnerte die Gegend ein wenig an das Alpenvorland. Und wir hätten nie gedacht, dass Australien auch so aussehen kann. Das einzige Problem war, das wir ohne Auto total verloren waren, da der nächstgrößere Ort namens Warragul 50km entfernt lag. Und öffentliche Verkehrsmittel jeglicher Art waren nicht vorhanden. Also entschieden wir uns, für erst mal 3 Wochen ein Auto zu mieten. Wir wollten in der Zeit überlegen, ob wir beim Mieten bleiben oder ob es günstiger ist ein Auto zu kaufen.

Los ging es am Donnerstag (01.12). Nachdem wir den Tag über noch die letzten Kleinigkeiten abgearbeitet und endlich die Klamotten gepackt hatten, mussten wir noch bis 23 Uhr warten, bis der Bus kam. Die Fahrt sollte 7 Stunden dauern. 7 Stunden in denen Mathis schlecht und Julia gar nicht geschlafen hatte. Als wir Freitagsmorgen endlich in Melbourne angekommen waren, mussten wir noch bis 11 Uhr warten, bis wir unser Auto abholen konnten. Wir hatten uns für einen kleinen Hyundai entschieden. Der war am preiswertesten und reichte für uns und das Gebäck allemal. Als wir dann endlich aus der Innenstadt raus waren, kamen wir an einem der wenigen Ikeahäuser in Australien vorbei. Und wir nutzen die Chance sofort, um zu sehen, ob die Ikea-Produkte auf der ganzen Welt identisch sind. Und JA, sie sind gleich. Bis auf ein paar Ausnahmen, hätte man auch in dem Ikea in Bielefeld stehen können. Gekauft haben wir aber nix, hätten wir in unseren Rucksäcken eh nicht transportieren können. Und laut Mathis sind die australischen Köttbullar nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. Schmecken nicht so gut. Nachdem wir den Ikea hinter uns gelassen hatten, machten wir uns wieder auf den Weg, da wir in Warrangul noch unsere Lebensmittelvorräte auffüllen mussten. Am späten Nachmittag kamen wir dann endlich an der Farm von Ina und ihrer Familie an. Wir konnten dort in dem ehemaligen Elternhaus ihres Mannes wohnen, das für Freunde, Backpacker und Urlaubsgäste bereitsteht. Wir hatten dort ein großes Schlafzimmer, ein Bad mit eigener Waschmaschine und Trockner und eine Küche mit großem Wohnraum. Alles schon etwas älter aber sehr gemütlich. Und das Beste war der herrliche Ausblick auf die umliegenden Wälder und Wiesen. Wir fühlten uns wie auf einer einsamen Berghütte. Und auch die Temperaturen, waren wie in den Bergen. Von über 30 Grad in Tintnara bekamen wir hier einen Temperatursturz auf knappe 20 Grad. Und vor allem Abends und Nachts, sollte es richtig kalt werden.

Nach einem kurzen Abstecher bei Ina, wollten wir endlich schlafen gehen. Doch da saß sie dann, mitten in der Küche an der Decke. Eine „Huntsman-Spider“. Ina hatte uns kurz vorher noch erzählt, das wir hier oben wahrscheinlich einige entdecken würden, aber gleich am ersten Abend, dass musste nun wirklich nicht sein. Die Huntsman Spinne an sich, ist nicht gefährlich, sie beisst auch nur zu, wenn sie sich bedrängt fühlt oder provoziert wird. Das ekelhafte an ihr ist einfach ihre Größe und ihr aussehen. Sie ist sehr beharrt und kann wenn sie ausgewachsen ist eine Beinspannweite von 25-30 cm erreichen. Unsere war zum Glück noch nicht so groß, aber für den ersten Schreck reichte es. Nach mehreren Anläufen gelang es Mathis schließlich sie zu beseitigen und wir konnten schlafen gehen. (Auf dem Bild kann man ungefähr die Größe unserer Spinne erkennen).

Am Samstag machten wir uns erst mal auf die Gegend zu erkunden. Zuerst ging es zu einer alten Eisenbahnbrücke, die nicht mehr befahren wird und die man zu Fuß überqueren konnte. Danach besuchten wir die Toorongo Falls den wohl spektakulärsten Wasserfällen im Gippsland. Wir entschieden uns für den längeren der Wanderwege, da man dort beide Wasserfälle sehen konnten. Der Weg dauerte ca. 45 min. und war wirklich schön.

Weil es an dem Tag noch nicht so spät war, machten wir uns anschließend auf den Weg zum Mount Baw Baw, der im gleichnamigen Nationalpark liegt. Der Mount Baw Baw ist ein bekanntes Skigebiet in Australien, mit 35 Hektar präparierten Pisten, sieben Skiliften 10 km Langlaufloipen und einem spektakulären Blick über das Westliche Gippsland. Und genau wegen dem Blick, hatten wir uns entschlossen, mit dem Auto hochzufahren. Doch unser Blick wurde im wahrsten Sinne des Wortes komplett getrübt. Je weiter wir hochfuhren, desto nebeliger wurde es. Bis man schließlich am Gipfel kaum noch seine eigene Hand sehen konnte. Und kalt war es, gerade mal 7°C waren es dort oben. Also machten wir uns enttäuscht wieder zurück auf den Heimweg.

Um etwas Geld zu verdienen, konnten wir auf einer Fischfarm anfangen zu arbeiten, die einem Bekannten von Ina gehört. Montags sollte es losgehen. Was uns da erwarten würde, war uns nicht ganz bewusst, sonst hätte Julia den Job garantiert nicht angenommen.

Wir sollten sofort beim Fische ausnehmen mithelfen. Da fing Julia schon an zu schlucken. Das war dort wie Fließbandarbeit. Eine Frau hat die gefangenen Fische aufgeschnitten und die anderen mussten die dann ausnehmen. Wir haben es und erst angeguckt, dann wurden wir eingewiesen. Uns wurde an jeweils 2 Fischen gezeigt wie das ging. Du musst den aufgeschnittenen Fisch in die Hand nehmen, hältst den Kopf so unter Wasser, das das Blut schon mal wegfließt, dann sollten wir mit der Hand die Gedärme rausholen. Die lagen dann alle auf dem Tisch, sie wurden zwar von fließendem Wasser weggespült, aber nicht alle. Zum Schluss sollte mit den Fingernägeln dann das Rückenmark aus dem Fisch gekratzt werden. Nach der Einweisung sollten wir es dann selber machen. Mathis hatte nicht so die Probleme damit, er fand es nicht sonderlich toll, aber er konnte es machen. Julia hatte da schon mehr Probleme. Sie nahm einen der aufgeschnittenen Fische, die alle so um die 40 cm und größer waren, da fing der plötzlich noch an zu zappeln. Da war alles vorbei. Sie hatten den Fisch zurückgelegt und ist gegangen. Mathis hat aber bis zum Ende gemacht. Aber auch nur den einen Tag. Und selbst nachts hatte er noch davon geträumt.

Da wir ja für die nächsten 3 Wochen ein Auto zur Verfügung hatten, machten wir die nächsten Tage einige Ausflüge zum mehreren Nationalparks und zu den Staudämmen des Lake Thomson und des Upper Yarra Reservoirs. Die unter anderem die Trinkwasserreservoirs von Melbourne sind.

Am Samstag (10.12) veranstaltete die Community Vesper, ihr alljährliche Weihnachtsfeier. Wir waren bis dahin noch überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung, was wir danach auch nicht wirklich waren. Ist einfach zu ungewohnt für uns Europäer, wenn zur Weihnachtszeit sommerliche Temperaturen herrschen. Die Weihnachtsfeier war trotzdem sehr schön. Jeder hatte was zu essen und zu trinken mitgebracht und alles war richtig Weihnachtlich dekoriert. Und wir hatten viele interessante Gespräche. Ina ist nämlich nicht die einzige deutsche, die in Vesper lebt. Es gibt dort noch zwei weitere deutsche Familien, die aber schon vor mehr als 50 Jahren ausgewandert sind. Und es ist immer wieder spannend und interessant zu hören was sie alles zu erzählen haben. Wieso sie damals ausgewandert sind, was sie alles erlebt haben, ob sie es nochmal so machen würden, und und und. Ich könnte da stundenlang zuhören. Und so war es dann auch. Irgendwann spät am Abend fielen wir dann erschöpft von einem schönen Tag ins Bett.

Kommentare sind geschlossen.